Kassenschwank - 06.02.2012

An Supermarktkassen werden viele Deutsche ungeduldig. Neulich stand ich bei Aldi in der Schlange hinter einer Frau, die gerade ihre drei Sachen auf das Kassenband legte, als ihr einfiel, dass sie etwas vergessen hatte. Sie spurtete davon. Anstatt in die Lücke aufzuschließen, blieb ich stehen, um ihr Freiraum zur Rückkehr zu lassen. Gleich zwei Damen hinter mir begannen buchstäblich zu hupen.

Ähnliches geschieht häufig: Ich warte in der Kassenschlange und werde bedrängt. Die Person hinter mir stößt mich entweder mit dem Einkaufswagen in den Rücken oder - wenn sie keinen hat - kommt mir so nah, dass wir uns berühren. Gerade bei Männern, die mir gerne noch von hinten in die Ohren schnaufen, würde ich mich manchmal am liebsten umdrehen und mit zuckersüßer Stimm ihre Homophobie kitzeln, indem ich etwas sage, wie: "Hey Süßer, willste nicht noch ein bisschen näher kommen?"

Das ist noch nicht geschehen, wird es aber sicher eines Tages.
Meine derzeitige Vermeidungsstrategie funktioniert folgendermaßen: Ich warte, bis das Band die Waren der Person vor mir ein gutes Stück Richtung Kasse getragen hat, bevor ich meine auflege. So verschaffe ich mir Raum, der in der Regel ausreicht, um unerwünschte körperliche Enge zu vermeiden.

Ein paar Tage später, wieder bei Aldi: Ein Mann schloss eng auf und schnaufte mich von hinten an. Ich wartete, bis auf dem Band ein gutes Stück Freiraum entstanden war, bevor ich meine fünf Teile ablegte. Der Typ wurde ungeduldig und beugte sich vor, um zwei Pakete Küchenrolle fast gleichzeitig mit meinen Sachen loszuwerden. Ich legte den Warentrenner demonstraiv langsam in den kleinen, frei gebliebenen Spalt und sah ihn an. Er nahm einen weiteren Warentrenner, warf ihn in die große Lücke weiter vorn und fragte: "Wozu lassen Sie denn da zwei Meter Platz?"
"Sie rücken mir auf die Pelle. Ich mag es nicht, wenn man mir zu nah kommt", antwortete ich. Die Frau vor mir sah mich lächelnd an. Offenbar kannte sie das Problem. 

Der Mann war beleidigt, murmelte, er sei mir nicht zu nah gekommen, und natürlich, Jedem das Seine. Offenbar hatte ich einen komischen Kauz erwischt. Als nächstes drängte er an mir vorbei in den Vorraum, wo er begann, herumliegende Kassenzettel vom Boden aufzuheben. Während ich bezahlte, klaubte er noch einen zwischen meinen Füßen her. Fluchtartig verließ er mit seinen zwei frisch gekaufen Paketen Küchenrolle den Supermarkt. Ich ließ mir mehr Zeit. Auch wenn er ein komischer Kauz gewesen war, war ich froh, dass ich endlich mal den Mund aufgemacht hatte.