8 Grad - 26.04.2012

Meinen tausendsten Eiskaffee trank ich zu Banjomusik. Draußen lag die Temperatur bei acht Grad; ebenso tief also, wie die Wolkendecke am Himmel. Aus den unsichtbaren Lautsprechern im Café sang eine französische Sängerin französisch.

Mein Eiskaffee enthielt nur ein Bällchen Vanilleeis. Ich war etwas enttäuscht, aber nicht sehr. Immerhin hatte ich vorher schon 999 Eiskaffees getrunken. In den allermeisten waren zwei Eisbällchen gewesen. Ich lauschte der Stimme und bemerkte, dass sie gar nicht französisch sang, sondern englisch. Sie klang bloß französisch: Verraucht, gleichzeitig melancholisch und sexy. Ihr Banjo hatten die auch weg gepackt. War das überhaupt noch die gleiche Band?

Ein alter keltischer Text besagt, dass man dem Sommer auf die Sprünge helfen kann, indem man Eiskaffee trinkt. Ich sah zu, wie der freundliche Barmann einer Kundin die Tür aufhielt. Ihre Hände waren voll Kaffee zum Mitnehmen. Seine Haare brannten, aber er wollte das so.

Weiter heißt es in dem keltischen Text, dass ein Eiskaffee, der zur Sommerwetterermunterung getrunkten wird, im Idealfall eine lange Maccaroni als Strohhalm enthält. Schon bei den Kelten galt Plastik als verpönt. Ebenfalls lernen wir hieraus, dass schon sehr früh ein reger Warenaustausch zwischen Italien und dem restlichen Europa bestanden hat.

Dem Barmann war es zu bunt geworden. Ich war ganz allein im Gastraum. "Er sucht bestimmt einen Feuerlöscher für seine Haare", dachte ich und erwog, mit einem Hechtsprung hinter die Theke zu springen, um schnell nach weiteren Eisbällchen zu suchen. Stattdessen drehte ich meinen Kopf um 90 Grad nach rechts. Rock'n Roll, von einer Männerstimme gesungen. Definitiv eine andere Band. Draußen schien endlich die Sonne.