30.08.2009

Lumo des Tages

 

28.08.2009

Nachdem ich in den ersten Monaten fast nur in Köln gewesen bin, fahre ich wieder regelmässig an den Niederrhein - meine Heimat. Wie gut es tut, abends oder nachts mit einer Kerze am Gartentisch zu sitzen und nichts zu hören als gelegentliches Igel- oder Mäuserascheln in den Büschen und einzelne entfernte Autos auf nächtlicher Fahrt!

Das Licht am Niederrhein ist wie nirgendwo sonst. Auch wegen des Lichts fahre ich wenn es geht im Sommer nach Schweden oder Norwegen - weil es dort nie aufhört, 24 Stunden lang nicht.

Das Licht am Niederrhein ist mild, wechselhaft und kleidet die Welt in ein Kaleidoskop von Pastellfarben. Augen brauchen Gewöhnung daran - die Unterschiede sind so fein, dass sie leicht entgehen. Ich kann mich daran weder sattsehen, noch sattfreuen.

Hörtip für besondere Abende: Das Album 'Revolver' von den Beatles (gab's heute morgen bei Meinolf Reul in seiner tollen Buchhandlung).

Eine wichtige Ankündigung: Es gibt wieder Wort und Tonschlag!

Im Dezember, in Kevelaer und Geldern!


 

23.08.2009

Lumo des Tages


18.08.2009

Bild des Tages

 

08.08.2009

Als ich neulich vor die Türe trat, den Daumen wetterfühlend befeuchtete und der Frau von gegenüber zu verstehen gab, dass es heute nichts werden würde mit dem Bankraub - da fiel mir von links der Postmann vor den Fuß.

Ausgestreckt hielt er ein kleines Packet vor meine Nase. Ich nahm es mit nassem Finger und quittierte einen erfundenen Namen. Im Packet befand sich ein neues Handy mit neuen Funktionen: Es kann von selbst anrufen, damit ich mich nicht einsam fühlen muss. Bevorzugt um drei Uhr nachts, natürlich.

 

03.08.2009

Gerade bin ich aus Berlin zurück. Die Stadt habe ich vor acht Jahren verlassen. Damals wohnte ich in einer schmuddeligen Ecke von Neukölln, im Bermuda-Dreieck der Trödelmeister. Auf der anderen Straßenseite war ein rätselhaftes Café mit dunkel verhängten Fenstern, komischen Öffnungszeiten und noch komischeren Gästen. Wir hielten es für einen heimlichen Puff.

In unserem Haus war immer die Eingangstür auf, wir heizten mit Kohle und bezahlten so wenig Miete, dass man den Betrag nicht nennen kann, ohne Tränen niederkämpfen zu müssen. Man kletterte durch eine Luke aufs Dach und blickte über die ganze Stadt - im Herbst war der Anblick so trostlos, dass man davon fast starb.

Mittlerweile trifft man sogar in dieser Ecke auf amerikanische Touristen. Dadurch fühlt man sich international. Unten im Haus ist jetzt eine Bar, schick eingerichtet und ohne Gäste. Das rätselhafte Café gegenüber hat zugemacht, einer der Trödelmeister auch. Seinen Berufsgenossen geht es gut wie eh und je. Sie leben ihr Leben auf dem Bürgersteig, wo sie mit Freunden Kaffee aus altem Meisner-Porzellan trinken und tägliche neue Weltverbesserungen beschließen.

Köln ist in vielen Dingen Berlin ähnlich. Es gibt hier alles, was es in Berlin auch gibt, nur ist alles kleiner. Die Straßen sind höchstens halb so breit. Die hippen Leute sind halb so hipp und das reicht auch bis übermorgen. Selbst die Taugenichtse wirken in Köln nicht ganz so faul wie in den Tiefen Kreuzgbergs, wo Kerle mit überdimensionierten Sonnenbrillen die Tage auf Stromkästen verbringen, nur damit man sie sieht. Und auch hier kommen die Touristen immer tiefer in die Viertel hinein, für die sich vor ein paar Jahren noch keiner interessiert hat.

In beiden Städten müsste man wohnen. Spielplatz müsste man sein. Und warum dauert am Ende die Fahrt jedesmal doch zwölf Stunden?