22. Mai 09

Nachtnotiz

Eine kleine Hochzeitsgesellschaft betritt spätnachts das Hotel. Man hat reserviert und lange schon gefeiert. Braut und Bräutigam, ein Fotograf, der Bruder der Braut, zwei erwachsene Kinder (ein weichlicher Jüngling, der im Stehen schläft und eine junge Frau mit hübschem Gesicht und dicklichen Waden). Sie bitten mich um ein Bier in der Lobby und laden mich nach einigen Minuten ein, ihnen Gesellschaft zu leisten und mitzutrinken.
Das Paar hat bereits ein Leben gelebt und versucht es nun ein zweites Mal. Sie scheinen sich noch nicht sehr gut zu kennen: Der Mann versucht vor der Frau den allzeit Netten zu mimen und sie spielt ihm eine Stärke vor, die eben nur gespielt ist. Oft fixiert sie mich mit ihren Blicken, die nackten Arme hinter dem Kopf verschränkt und zeigt mir ihre glatten Achseln. Ihr Bruder, er raucht Zigarellos, erzählt versaute Witze. Der Bräutigam setzt nach - sie verstehen sich aufs Erzählen. Auch die Braut gibt einen, den schamlosesten, über eine Frau im Spagat, deren Fotze auf den Fliesen im Bad festklebt. Aber die Erzählerin überspannt das Timing und man lacht kurz, verkrampft und hofft auf ein neues Thema. Eine Ehe zwischen Thüringen und Westfalen, geeintes Deutschland nachts um halb drei.
Neben mir leidet der Fotograf unter dem Rauch der Mood's - Cortison macht dat schon, versucht er galgenhumorisch zu witzeln, aber eigentlich will er bloß ins Bett.
Da würde ich natürlich auch gern hin, aber ich bleibe sitzen bis sieben und radle durch ein morgendlich warmes Köln, einer Stadt, in deren Straßen man erst ab elf lachende Gesichter sieht.

Foto: Felix Keuck

21.05.09

Keine Sorge: So wird es nicht aussehen, das Cover zu meinem ersten Buch, dessen Erscheinung nicht mehr fernliegt. Während Felix und ich auf Bahnschienen herumkrochen, um ein gutes Bild zu finden (alle fünf Minuten mussten wir ins Gebüsch hechten, um den Zügen auszuweichen, die um die Kurve schossen), entstand dieses Bild als Nebenprodukt. Manchmal sind das die besten. Einen schönen Feiertag wünscht Euch

Max

 

11.05.09

In manchen Nachtschichten kommt man an diesen Punkt, an dem es nicht weiterzugehen scheint. Die Füße wollen aus den Schuhe herausquellen. Die Haut wird trocken und fühlt sich an, als würde sie gleich irgendwo aufplatzen. Die Augenlider hängen; der Bauch bläht sich und die Gedanken werden völlig rastlos. Sie stolpern von einem Punkt zum nächsten, ohne anhalten zu können. Es wird einfach, zu begreifen warum Schlafentzug Menschen völlig verändern kann.