19.04.09

Nachtgedanken

Heute Nacht viel Gewalt im Fernsehen: Texas Chainsaw Massacre. Leichen und Leichenteile in Serie gibt es zu sehen. Auf einem anderen Kanal eine Krimiserie. Jemand missbraucht ein elfjähriges Mädchen und erwürgt sie mit den Händen. Es kommt noch schlimmer, aber ich schalte den Fernseher aus.
Was bringt uns dazu, in unserer Freizeit so viel visuell dargebotene Gewalt zu konsumieren? Es ist ja offenbar so, dass viele Menschen, der jedermann sich davon unterhalten fühlt.
Von anderer Seite gedacht: Es ist verständlich, dass eine Erschütterungswelle durchs Land geht, wenn ein junger Mensch Amok läuft, wie es vor einigen Wochen in Winnenden bei Stuttgart geschah. Wenn allerdings diese Erschütterungswelle abkühlt und nüchtern überlegt wird, dann ist es nicht mehr verwunderlich. Das Thema ist weit: Es hängt eng mit der Schwierigkeit zusammen, das Leben noch als relevant wahrzunehmen und zu trennen zwischen virtueller (zu der man das Fernsehen rechnen kann) und tatsächlicher Welt. Wer ohne Not lebt, dem fällt es schwer, Dringendes zu sehen.

 

15.04.09

Jemand der täglich Zeitung liest, kommt um den Begriff 'Krise' nicht herum. Wir befinden uns in einer Krise. Wir steuern auf eine Krise zu. Was kommt nach der Krise?
Jemand der täglich Zeitung liest, wird vielleicht noch glauben, die Krise werde in Kürze enden und das gedankenlose konsumieren ginge weiter so.
Zwar lese ich Zeitung, aber ich habe vielleicht ein besseres Gedächtnis, als viele Zeitungsmacher bei ihren Lesern annehmen. Gibt es eine friedliche Zukunft? Zerbricht das Klima? Was, wenn das Öl versiegt? Wer glaubt, die Welt bliebe dann friedlich - ist der nicht vollendes naiv?
Jetzt spreche ich doch von meiner Generation: Unserer ist ein anderer Skeptizismus als der des vorherigen Jahrhunderts, in dem sich der Bogen spannte vom ins entmenschlichte getriebenen Wissenschaftsglauben auf der einen und New Age und Plastik-Spiritualismus auf der anderen Seite.
Wir glauben, wenn auch nicht an Gott und religiöse Institutionen, so doch daran, dass die Dinge nicht nur Dinge sind, dass sie enger miteinander verwoben liegen, als wir jemals werden erfassen können. Wir glauben nur bedingt an das Wissen - Information ist für uns immer relativ: Wer weiß, was gut ist für die Umwelt? Die Tropen? Das Klima? Die Gesundheit? Immerhin wird gut gelaubtes in Serie als falsch erkannt. Verantwortlichkeit ist in den seltensten Fällen zu ermitteln. Wer oder was ist wirklich Schuld an Kriegen und Vertreibungen in Afrika?
Rebellen? Banker? Diamanten?
Zwischen all dem tut sich der Spagat des Alltags auf: Die massive Wand der Arbeit, die die meisten von uns gut ausgebildeten Um-die-Dreissigern fest ummauert und die stets im Privatleben lauernde, maßlose Einsamkeit, die nicht zuletzt genährt wird von Bildschirmen, in die wir täglich stundenlang starren auf der Suche nach Nahrung, die immer geschmacklos bleibt.

12.04.09

Ihr kennt das wahrscheinlich: Man hat einen Text verfasst, auf senden oder speichern oder gar nichts geklickt und anstatt die neue Seite zu laden, zeigt der Browser eine Fehlermeldung und der Text, wieder nicht abgespeichert, ist weg, weg, weg.

Mir passiert das immer wieder und nicht immer habe ich anschließend den Mut und die Kraft, ihn nochmal zu schreiben. Nachtschicht, 04.18h. Nichts als eine Horde Schweizer heut nacht. Sie tragen alle die gleichen 'North Face'-Jacken mit Logo-Aufdruck. Schlanke, mittelgroße Männer in dem Alter, in dem man noch nicht sicher sagen kann, ob sie Männer sind oder Jungs. Sie frage mich, ob ich morgen um 9 hier sein werde, wenn sie auschecken. Sie müssen dreimal fragen, bis ich sie verstehe. Ist immer peinlich, wenn ein Schweizer sich auf einmal anstrengen muss, um dir etwas verständlich zu machen.

Letzte Woche im Rex Wall-E gesehen; die Stimmen der Roboter sind super und die Reminiszens an Kubricks 2001 ist auch nicht von schlechten Eltern. Ein Wohlfühlfilm.

Sputnik Sweetheart nicht das beste Buch von Haruki Murakami, aber vielleicht auch weil es seine üblichen Themen so routiniert durchdekliniert, konnte es in meinem Kopf Feuerwerke entzünden wie nichts anderes, als ein gutes Buch. Die ewige Frage: Warum nur leben wir, die wir auf der materiell reichen Seite dieses Planten sitzen, so einsame Leben? Warum nur ist der Weg zum anderen so unglaublich weit? Warum nur sehen wir uns so selten, teilen unsere Leben so fragmentarisch, so wohldosiert?