31.03.09

Die ersten beiden Lesungen von Wort und Tonschlag liegen hinter uns. Alles ist gut gelaufen - schöne Momente gab es zuhauf. Besonders erfreulich waren die Begegnungen mit den Buchhändlern Ludger Derrix vom Bücherkoffer und Meinolf Reul von der Buchhandlung Reul in Kevelaer. Der kleine Laden im Schatten der Basilka feiert im Mai seinen 100sten Geburtstag.

Am Sonntag gleich wieder Nachtschicht; um zwei Uhr zeigte RTL II Good Will Hunting. Nicht nur wegen den besten Kusses der Filmgeschichte einer meiner Lieblingsfilme. Trotz der Masse an Unwahrscheinlichkeiten und der vielen, teils löchrigen Dialoge ist es immer wieder schön, die Entwicklung des Protagonisten mitzuverfolgen.

 

23.03.09

Nachtschicht, hinter mir sitzen zwei Dänen beim Frühstück. Es ist 5.38, früh sind die dran, wollen wahrscheinlich noch bis Dänemark heute. Die Dänen sind laut Glückforschern das glücklichste Volk der Erde. Vor ein paar Jahren ergab eine solche Forschung (mit wissenschaftlich entwickeltem Fragenkatalog zur Ermittlung der Glücklichkeit eines Volkes), dass starke 97 Prozent aller Einwohner zufrieden mit ihrem Leben sein sollen. Meine eigene Beobachtung beschränkt sich auf Kopenhagen und Dänen, sie ist nicht repäsentativ. Was ihre Verklemmungen angeht, so sind sie zwar anders gelagert, als bei den Deutschen (nicht so körperlich), aber sicherlich ähnlich konzentriert. Verbreitete Optimierungsneurosen, der Wille, alles und allen alles richtig zu machen. Riesenangst vor Peinlichkeit und der medial beschränkte Horizont im Angesicht des Fremden (das freilich maßlos ausfällt wegen all der automatisierten Gewohnheiten). Was sie besser können als wir, das ist das Genießen. Wir lernen es zwar, aber wir müssen noch viel mehr lernen. Und dass in der Krise!

22.03.09

Nachdem er sich seit gefühlten zehn Wochen auf der 17 Uhr 5 Position im Rex behaupten konnte, hab ich es endlich geschafft "Brügge sehen...und sterben?" von Martin McDonagh zu sehen.
Zwar bekam Colin Farrell für seine Hauptrolle als suizidgefährdeter Versuchsmörder einen Golden Globe in der Kategorie "Comedy", aber eigentlich ist der Film zu böse, um sich dort einordnen zu lassen. Witze über Dicke und Zwerge bilden nur die Spitze des Eisbergs an Bosheiten.
Zwei irische Auftagsmörder werden von ihrem Boss nach Brügge geschickt. Ray ist jung, nicht sonderlich hell und verzweifelt, weil er versehentlich in London einen kleinen Jungen getötet hat. Eigentlich sollte er nur den Priester auschalten. Sein Partner Ken, gespielt vom ehemaligen Englischlehrer Brendan Gleeson, ist in die Jahre gekommen und eigentlich kein Killertyp. Ihm gefällt die historische, pitoreske Stadt, während Ray die Augenbrauen zusammenzieht und jammert, bis er Chloe trifft und sich in sie verliebt.
Der böse Boss Harry gibt Ken den Auftrag, Ray wegen des toten Jungen zu erschießen. Ken verhindert stattdessen, das Ray sich selbst ins Fegefeuer befördert und setzt ihn in einen Fernzug Richtung Europa. Ohne zu zögern ruft er in England an, um dem Boss seine Befehlsverweigerung mitzuteilen und sich den Folgen zu stellen. Harry (Ralph Fiennes, seit 'Voldemort' sehr böse geworden) rastet aus und macht sich auf den Weg, um diese Ehrensache selbst zu regeln. Unterdessen wird Ray, der beim ersten Date mit Cloe einen nervigen Kanadier samt Ehefrau K.O. geschlagen hatte, von der Polizei nach Brügge zurückgebracht. Chloe holt ihn ab und zuletzt treffen sich alle zum Showdown auf dem alten Stadtplatz.
Der arme Zwerg, der als Witzfigur durch den Film gereicht wurde, verliert am Ende seinen Kopf durch ein Dum-Dum-Geschoss. Harry trägt die Konsequenzen, ohne genau hinzusehen.

Der Film hält sich besonders in der ersten Hälfte konsequent an Stimmungsbilder von Brügge. In den Dialogen wird fast ausnahmslos über die Stadt gelästert, die Kamera huldigt ihr und wird ohne Zweifel für steigende Besucherzahlen sorgen.
Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller ist eine große Freunde - man bekommt ebenso viel Lust auf Irland und die Iren, wie auf ein wenig vernebelte Nordsee-Melancholie. Wo hat man Clémence Poésy schon gesehen? Und kommt nicht auf Fleur Delacour aus 'Harry Potter'. Hier, als kleine Drogendealerin, sieht man sie wie zum ersten Mal.
Die Story, aus einer Reihe zitierter Filme zusammengeklaubt, ist ein engmaschiges Netz, das sich erfolgreich bemüht, alle Vorleger auch auszuspielen (Grund dafür, dass das Arschloch an der Kasse des Stadtturms später zusammengeschlagen wird, ist der Herzinfarkt des fetten Amerikaners). Trotz ihres minimalen Bestandes verhält sich die Geschichte stets unerwartet, getragen vom brillianten Ensemble. Nur die langsame, monotone Klaviermusik war bei diesem Bonbon europäischen Films ein Griff ein Klo.

Und wer lacht nicht gerne doch einmal über Zwerge?

21.03.09

Nachtschicht. Freitag. Weil Wochenende ist, kommen die Gäste bis morgens früh hereingeschneit: Man weiß nie, wann man Ruhe haben wird. Fast alle die nach zwei Uhr kommen, sind betrunken. Wie viele treiben sich heute nacht noch draußen herum? Ich habe keinen Überblick. Manche nehmen ihre Schlüssel mit nach draußen, man weiß nicht, ob schon auf ihre Zimmer gegangen sind.
Nach drei Uhr kommt man in diesen Zustand, den man sonst nur beim Reisen oder noch extremeren Lebensumständen erreicht: Zu wach zum Schlafen und zu müde, um etwas zu tun. Das Internet kotzt dich irgendwann an, es ist voll von behämmerter Werbung und schreit von vorne bis hinten: Kaufen! Kaufen! Kaufen!
Was haben wir uns bloß für eine Welt erschaffen? Auch das Nachtfernsehen: Diese Dummheit der Werbeprogramme. Funktionieren die wirklich? Oder sind die Macher bloß Idioten, die verzweifelt versuchen, einen müden Euro abzuquetschen. Manchmal glaube ich das. Es ist bloß sinn- und rücksichtslose Betriebsamkeit, nicht Erfolg, der sich dahinter verbirgt.

Die Geschichten liegen jetzt in überarbeiteter Form vor. Als nächstes kommen die Gedichte, auch davon sind die meisten bereits weiterentwickelt und müssen nur noch hochgeladen werden.

Ein berühmter Dichter aus Amerika hat mal gesagt: "A poem is never finished. It is only abandoned." - - - Wie das so ist mit dem Wort never. Sagen wir: Nur wenige Gedichte sind jemals fertig. Alle anderen bleiben Baustellen. 

 

19.03.09

Donnerstag ist jetzt mein freier Tag. 

Papierkriege wollen geführt werden, eine quietschende Tür geölt, Luft aus Heizkörpern entlassen. Für diese Seite habe ich seit einigen Wochen nicht genug Zeit gehabt: Alle Geschichten sind längst überarbeitet und verbessert, aber ich konnte sie noch immer nicht hochladen. Bei Interesse schreib einfach eine Mail, dann bekommst Du die neue Version auf diesem Wege.

Muss man es noch sagen? Der Frühling kommt endlich. Er kommt langsam, er nähert sich zunächst auf olfaktorischem Wege, die Nase weiß schon Bescheid, selbst wenn Handschuhe, Mütze und Schal noch im Einsatz sind und bleiben sollten. Man kennt das ja: Kommt der Frühling plötzlich, sind eine Woche später alle krank, weil sie gleich die zugigen Nachmittage im T-Shirt verbringen. Die Bedachtsamkeit, mit der sich in diesem Jahr der Winter verabschiedet und Neues sich zeigt, passt zur Stimmung: Wir sollten alle bedachtsam sein, dann gibt es weniger Krisen - und damit auch weniger unerfreuliche, ermüdent einseitige Zeitungslektüre. Leute! Es bringt nichts, sich im Dreck zu suhlen! Schreibt mal über andere Sachen, das Leben geht schließlich weiter!

 

Fr. 27. März im Bücherkoffer Geldern &

Sa. 28. März in der Buchhandlung Reul Kevelaer, jeweils 20 Uhr.

Ihr seid alle herzlich willkommen -


Woutsche und Max