23.02.

Nachtschicht Nr.2 . Karnevalssonntag in Köln. Letzte Nacht wurde in der Lobby bis sechs getrunken, man fand kein Ende, grau war am Morgen das Gesicht des Portiers. Morgen ist Rosenmontag - da waltet auch unter Jecken heut Nacht die Vernunft: Ruhiger angehen heißt die Devise, wir wollen ja morgen noch kräftig draufhauen und mithalten mit all den Schnäpsen, die auf uns und alle warten.

Ein Trupp spanischer Teenager ging gegen zwei nochmal vor die Tür. Sie kamen um Mitternacht, um sich neu zu verkleiden, sich aufzufrischen für eine weitere Runde: Sie sind so jung, sie brauchen sich auch am Sonntag nicht zu schonen, die Tequilaflasche im Anschlag schwirren sie an mir vorbei zurück in die Nacht. Jedesmal, wenn ich es mir bequem machen will, kommen neue Gäste. Gerade ein Pärchen, sie küssen sich im toten Winkel der Tür. Fast alle Gäste haben süddeutschen Akzent, Karnevalstouristen sind das, aber sie können tun, was sie wollen: So locker wie Rheinländer werden sie niemals.
Das Pärchen küsste fertig, der Mann kam allein hereingeschlendert und fragte mich nach einem Kondomautomaten. Leider hat das Hotel keinen. Jetzt müssen die beiden improvisieren, was ihnen hoffentlich zufriedenstellend gelingen wird. Ich hoffe sehr, ich habe nicht irgendwo ein Automätchen übersehen. Dieser Gast wird hier wahrscheinlich nie wieder übernachten: Reißt eine Frau auf und kommt nicht zum Zug. Und um den Zug geht es doch beim Karnval, selbst wenn man nicht hingeht, wie ich.

15.02.

Meine erste Nachtschicht. Ich bin vom Land nach Köln gezogen und arbeite nun als Nachtportier in einem Altstadthotel. Sonst gehe ich früh zu Bett und stehe früh auf. Umso spannender ist es, zu beobachten, wie man die Nacht wachend überstehen kann. (Und: Wieviel kann ich schreiben?)

Der Job ist ein einsamer: Die Rezeption bildet eine Barriere, die Gäste huschen meist nur vorbei, zumal des Nachts viele von ihnen etwas verschämt den Alkohlrausch mit ins Bett bringen. Handtücherfalten ist meditativ. Check-In, Check-Out, Walk-In, Nighty, Twinbed: Gastronomie ist international.

Der Kafferausch hat schon längst eingesetzt. Es ist drei Uhr und ich bin noch kein bisschen müde. Meine erste Nacht ist natürlich noch ruhig gewählt, mit wenigen Gästen. In zwei Stunden System umstellen auf einen neuen Tag; dann Frühstück machen. Träumt schön!